Der Meteorologe Thomas Bucheli und die Partnervermittlerin Christa Appelt unterhalten sich über die ältesten Gesprächsstoffe der Welt: das Wetter und die Liebe. Und eine verunglückte Prognose für Adolf Ogi.
NZZ am Sonntag: Herr Bucheli, was wir einen Meteorologen schon immer fragen wollten: Wenn Sie ein Hudelwetter voraussagen und am nächsten Tag herrscht prächtiger Sonnenschein: Ärgert Sie das – oder freut Sie das?
Thomas Bucheli: Das ärgert mich masslos, weil ich irgendetwas übersehen habe. Das darf nicht vorkommen! Am schönen Wetter kann ich mich dann überhaupt nicht freuen.
Christa Appelt: Wenn so etwas eintritt, umso besser. Ich fühle mich an trüben Tagen vielleicht nicht ganz so fit, aber im Grunde finde ich auch Regen schön. I’m singing in the rain!
Liebe und Wetter beschäftigen die Menschen seit Urzeiten. Welche Zusammenhänge gibt es da?
Appelt: Das Wetter beeinflusst den Menschen und die Liebe. Im Frühling erwachen die Gefühle, die Triebe, die Hormone haben Hochkonjunktur. Der Sommer, wenn er sehr heiss ist, kann sich negativ auf die Liebe auswirken. Anderseits reizt er mit der leichter Bekleidung und viel nackter Haut. Im Herbst werden die Menschen kontemplativer, gehen in sich; es kommt die romantische Zeit, die Kuschelzeit, die Menschen rücken näher zusammen. Der November ist bei uns der Monat
der glücklichen Paare! Wir beobachten, dass sich in diesem Monat mehr glückliche Paare melden, die sagen, sie hätten sich gefunden, als in anderen Monaten.
Bucheli: Das Wetter hat das Wohlbefinden der Menschen von jeher beeinflusst. Aber mich dünkt, dass die Leute heutzutage extrem empfindlich auf schlechtes Wetter reagieren, manchmal fast weinerlich. Als hätten sie einen Anspruch darauf, dass in ihrer Freizeit die Sonne scheint. Schönes Wetter wird schon fast unnatürlich zelebriert. Mir behagen daher verregnete Sonntage, da ich dann nicht das Gefühl habe, ich müsse jetzt „ums Verroden“ auch am Quai spazieren oder mich unter die Leute in die Badi mischen. Bei Regenwetter fühle mich viel weniger gedrängt…
Appelt: Einen Regentag im Bett zu verbringen ist wunderschön. Für Verliebte ist jedes Wetter schön. Der Sommer ist eher die Zeit des Flirtens, der Liebe auf den ersten Blick, während man im Winter die Beständigkeit findet.
Bucheli: Ich bin eher auf die Herbst-Winter-Stimmung ausgerichtet und gehe auch immer gerne in den Norden in die Ferien. Ich habe übrigens auch dort Frauen kennengelernt, wo’s kalt war!
Sie beide arbeiten mit rationalen Methoden. Doch die Liebe und das Wetter funktionieren oft irrational.
Bucheli: Einspruch. Das Wetter spielt nicht verrückt im physikalischen Sinn, sondern verläuft nach Gesetzmäßigkeiten und Mechanismen, die wir aber noch nicht in allen Details kennen. John von Neumann sagte: Die Meteorologie behandelt das zweitkomplizierteste aller Systeme, das komplizierteste ist das menschliche Verhalten. Gott sei Dank bin ich nur Meteorologe, nicht Psychologe. Wie finden Sie eigentlich heraus, welche Menschen zueinander passen?
Appelt: Wir lernen alle Klienten persönlich kennen. Wir erheben die äusserlichen Angaben zur Person, zu Prioritäten in Bezug auf Hobbys, Interessen, gemeinsame Lebensziele, Bildungs- und Lebensniveau, den sozialen und finanziellen Background sowie die Erwartungshaltung. In der Partnerschaft kommt der Grundsatz ‚Gleich und gleich gesellt sich gern“ zum Zug – und nicht das Motto „Gegensätze ziehen sich an“.
Bucheli: „Die Leute reagieren heute extrem empflindlich auf schlechtes Wetter, manchmal fast weinerlich.“
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https://www.nzz.ch/article9YRNR-ld.326776
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